Die Langzeitarchivierung von komplexen
farbigen digitalen Bilddokumenten mit Hilfe von elektronischen
Datenträgern ist unsicher und ermöglicht in der
Realität nur unzureichend lange Zeithorizonte. Zusätzlich
ist dieses Verfahren durch die erforderlichen Migrations-Maßnahmen
sehr aufwendig und kostspielig.
Eine zuverlässige und kostengünstige Alternative
zur Langzeitarchivierung sind Farb-Laserbelichtungen dieser
Bilddokumente auf farbigem, extrem haltbaren Ilford CMM.F7
Master Film. Komplexe farbige Bilddaten werden aufbelichtet,
um im Falle von Zerfall oder Verlust des Originales (oder
dem Verlust der vom Original erstellte Digitalisierungen),
den vollständigen Bildinhalt zu speichern und damit
eine Langzeitarchivierung zu gewährleisten. Gespeichert
werden sollen nicht nur sämtliche Grafik- und Textinformationen
der Vorlage, sondern auch die Oberflächenstrukturen,
die Materialbeschaffenheit und die Farbinformationen des
Originals. Im Verlustfall sollen die Daten mittels geeigneter
Scan-Einrichtungen, ohne Qualitätseinbußen, von
den Microfilmen zurück gescannt werden.
Zwei unterschiedliche Systeme bieten diese Dienstleistung
inzwischen an:
1.savedpictures-system, Stuttgart (www.savedpictures.com)
2.MicroArchive System, Frankfurt (www.microarchive.com)
Das savedpictures-system wurde im Sommer 2005 in den Markt
eingeführt. Es unterscheidet sich im Wesentlichen vom
MicroArchive System, das beim Fraunhofer Institut in Freiburg
entwickelt wurde und dass aktuell kurz vor der Markteinführung
steht, in zwei Bereichen. Das savedpictures-system belichtet
mit einem Innentrommel-Laserbelichtungsgerät Planfilme
mit der Auflösung von 2032 dpi bis zu einer Größe
von maximal 250 x 330 mm und erreicht dadurch eine nominelle
Speicherkapazität von ca. 1,5 Giga-Bit je Einzelbelichtung.
Das MicroArchive System verwendet einen Laserbelichter mit
Theta-Optik und belichtet mit einer Auflösung von 8128
dpi im festen Format von 32 x 45 mm auf Rollfilm und erreicht
eine nominelle Speicherkapazität von ca. 450 MB je Frame.
Das savedpictures-system verfügt also über eine
wesentlich geringere Auflösung als das MicroArchive
System kann aber eine größere Fläche belichten.
Fragestellung des Praxistest Teil I:
1.
Erreicht
der ArchiveLaser die zugesagten Spezifikationen im praktischen
Einsatz und kann er, demzufolge, eine Vorlage in der Größe
90 x 126 cm, Auflösung
300 dpi mit der Datenmenge von 452 MB ausreichend verlustfrei
speichern?
2.
Wie ist die optische Abbildungsqualität im Vergleich
zum savedpictures-system?
Testverfahren:
1.
Erstellung einer Testvorlage. Die Testvorlage hat eine
Größe von 90x126cm und ist im ECI-RGB-Farbraum
mit einer Auflösung von 300dpi und 8 Bit Farbtiefe angelegt.
Die Datenmenge beträgt 452 MB. Das Testbild enthält
farbige Bildelemente zur Begutachtung der Farbinhalte und
der Bildstrukturen, ein Schwarz/Weissbild zur Begutachtung
von Dichteverläufen und Schärfetestelemente.
2.
Die Testdatei wurde dem Fraunhofer Institut auf einer DVD übergeben
und dort auf dem ArchiveLaser als volles Frame mit der nominellen
Speicherkapazität von 450 MB ausbelichtet und im Prozess
P5 entwickelt.
3.
Die gleiche Testdatei wurde bei der Fotolabor "M" GmbH
im savedpictures-system auf eine sp-page 150 mit der nominellen
Speicherkapazität von 150 MB ausbelichtet und ebenfalls
im Prozess P 5 entwickelt.
4.
Die beiden belichteten Filme wurden dann bei der Fotolabor „M“ GmbH
mit einem ScanMate 11000 Trommelscanner gescannt. Dabei entstand
jeweils ein Datensatz im ECI-RGB-Farbraum mit den Maßen
90 x 126 cm in der Auflösung 300 dpi und einer Datengröße
von 452 MB.
5.
Vom Originaldatensatz und von den beiden redigitalisierten
Datensätzen der Testdatei wurden in einem Laserbelichtungsgerät
LightJet 5000 mit einer Auflösung von 300dpi jeweils
eine fotografische Vergrößerung im Maßstab
1:1 hergestellt.
6.Diese drei Vergrößerungen im Maßstab 1:1
wurden optisch begutachtet, miteinander verglichen und bewertet.
Ergebnis MicroArchive Belichtung:
1.
Sowohl die farbigen, als auch die Schärfetestelemente
der Testvorlage wurden bei der von der ArchiveLaser Redigitalisierung
erstellten Vergrößerung deutlich unschärfer
wiedergegeben. Die Detailzeichnung war wesentlich schlechter.
2.
Bei den Schwarz/Weiss Elementen zeigten sich Abrisse in
hellen Dichteverläufen. Die Gradation war steiler als
bei der Vorlage.
3.
Der gesamt Bildeindruck war nicht so homogen wie bei der
Vergrößerung von der Originaldatei und unterschied
sich erheblich vom Original.
Ergebnis savedpictures Belichtung:
1.
Sowohl die farbigen, als auch die Schärfetestelemente
der Testvorlage, wurden bei der von der savedpictures Redigitalisierung
erstellten Vergrößerung in der gleichen Schärfe
und Detailzeichnung wiedergegeben.
2.
Bei dem Schwarz/Weiss Element zeigten sich keine Abrisse
in hellen Dichteverläufen; die Gradation entsprach der
Vorlage.
3.
Der gesamt Bildeindruck war homogen und entsprach der Vergrößerung
vom Original.
Bewertung:
Der ArchiveLaser ist für die Langzeitarchivierung von
komplexen farbigen Vorlagen im Format 90 x 126 cm mit der
Auflösung
von 300 dpi nicht geeignet. Die negativen Abweichungen gegenüber
der Vorlage hinsichtlich Schärfe, Detailgetreue und
Farbwiedergabe sind gravierend und nicht tolerierbar. Der
ArchiveLaser verfehlt die zugesagten Spezifikationen deutlich.
Das savedpictures hingegen zeigt, obwohl die nominelle Speicherkapazität
der eingesetzten sp-page 150 eine Komprimierung des Testdatensatzes
von 452 MB auf 150 MB bedeutet, dass der Ilford CMM.F7 Master
Film mit der geeigneten Belichtungstechnik wohl in der
Lage ist, komplexe farbige Bildinhalte von Vorlagen der vorliegenden
Größe für die Langzeitarchivierung zu speichern.
Schärfe, Detailtreue und Farbwiedergabe können
nahezu identisch mit dem Original gespeichert und wiedergegeben
werden. Der komplexe visuelle Inhalt einer Vorlage kann gespeichert
und langzeitarchiviert werden.
Die auch bei diesem System auftretenden geringen Wiedergabeunterschiede
zur Vorlage in einzelnen Bildbereichen sind grundsätzlich
durch das Verfahren mit einer Vielzahl von Verarbeitungsschritten
zu erklären.
Praxistest Teil II:
Im Teil I hat sich herausgestellt, dass der ArchiveLaser
die zugesagten Spezifikationen nicht erreicht und die angegebenen
452 MB, im Gegensatz zum savedpictures-system, nicht mit
tolerierbaren Qualitätsabstrichen speichern kann.
Fragestellung des Praxistest Teil II:
Kann
der ArchiveLaser eine Vorlage in der halben Größe
speichern und kann er demzufolge eine Vorlage in der
Größe 63 x 88 cm, Auflösung 300 dpi, mit
der Datengröße
von 221 MB ausreichend verlustfrei speichern?
Der ArchiveLaser Praxistest Teil II wurde nach dem gleichen
Verfahren wie der Praxistest Teil I durchgeführt. Lediglich
die Größe der Vorlagen- und der Redigitalisierungsdateien
wurden der neuen Fragestellung angepasst. Auf einen Vergleich
zum savedpictures-system wurde in diesem Testabschnitt verzichtet.
Ergebnis Praxistest Teil II:
Die Wiedergabequalität des ArchiveLaser Systems reicht
nicht aus um eine Vorlage in der Größe 63 x 88
cm, Auflösung 300 dpi mit der Datengröße
von 221 MB verlustfrei in einem Frame zu speichern. Es treten
dieselben Abbildungsfehler auf wie im Testabschnitt I, jedoch
in abgeschwächter Form.
Praxistest Teil III:
Im Teil I und II hat sich herausgestellt, dass der ArchiveLaser
die zugesagten Spezifikationen in der Praxis deutlich unterschreitet
und Vorlagen in den Größen 90 x 126 cm (ca. A0),
bzw. 63 x 88 cm (ca. A1) nicht mit tolerierbaren Qualitätsabstrichen
speichern kann. Im Dritten Testabschnitt wurde die Datengröße
noch einmal halbiert.
Fragestellung des Praxistest Teil III:
Kann
der ArchiveLaser eine Vorlage in der ¼ Größe
seiner nominellen Speicherkapazität speichern und kann
er demzufolge eine Vorlage in der Größe
44 x 63 cm, Auflösung 300 dpi mit der Datenmenge von
110 MB ausreichend verlustfrei speichern?
Testfverfahren:
Der ArchiveLaser Praxistest
Teil III wurde nach dem gleichen Verfahren wie der Praxistest
Teil I durchgeführt. Lediglich
die Größe der Vorlagen- und der Redigitalisierungsdateien
wurden der neuen Fragestellung angepasst. Auf einen Vergleich
zum savedpictures-system wurde in diesem Testabschnitt verzichtet.
Ergebnis Praxistest Teil III:
Das ArchiveLaser
System kann eine Vorlage in der Größe
44 x 63 cm (ca. A2), Auflösung 300 dpi mit der Datenmenge
von 110 MB nahezu verlustfrei in einem Frame speichern.
Schärfe und Detailwiedergabe sind gut, lediglich die
Probleme mit den Abrissen in den hellen Dichteverläufen
und der unhomogene Bildeindruck bleiben auch in dieser Größe
erhalten.
Praxistest Teil IV:
Im Testabschnitt I hatte sich gezeigt, dass das savedpictures-system
trotz Komprimierung des Testdatensatzes von 452 MB auf 150
MB eine hervorragende, dem Original entsprechende Abbildungsqualität
ermöglicht.
Fragestellung des Praxistest Teil IV:
Welche
Belichtungsgröße benötigt das savedpictures-system
um die gleiche Abbildungsqualität zu erreichen, wie
es der ArchiveLaser im Praxistest Teil III erreichte.
Testverfahren:
Der Praxistest Teil IV wurde
nach dem gleichen Verfahren wie der Praxistest Teil I durchgeführt. Die Testdatei
in der Größe 44x63cm , Auflösung 300dpi mit
der Datenmenge von 110 MB wurde jeweils auf eine sp-page
90 mit der nominellen Speicherkapazität 90 MB, eine
sp-page 40 mit der nominellen Speicherkapazität von
40 MB und auf eine sp-page 20 mit einer nominellen Speicherkapazität
von 20 MB aufbelichtet.
Ergebnis Praxistest Teil IV:
Das savedpictures-system
erreicht selbst mit der sp-page 20, die nur eine nominelle
Speicherkapazität von 20
MB hat, eine mit dem MicroArchive System vergleichbare Abbildungsqualität
und ist in der Lage eine Vorlage in der Größe
44 x 63 cm (ca. A2), Auflösung 300 dpi mit der Datenmenge
von 110 MB nahezu verlustfrei in einer Belichtung in der
Größe von 29 x 39 mm zu speichern. Schärfe
und Detailwiedergabe sind dabei im Vergleich zum ArchiveLaser
etwas schwächer, die Dichteverläufe wurden besser
und ohne Abrisse wiedergegeben, der gesamte Bildeindruck
ist homogener.
Fazit:
Wenn es um die Langzeitarchivierung
von komplexen farbigen digitalen Bilddateien geht, ist derzeit
das savedpictures-system in der erreichbaren Abbildungsqualität
das führende
System.
Das MicroArchive System kann den Nachteil, nur eine Belichtungsfläche
von 32 x 45 mm zur Verfügung zu haben, durch den Einsatz
der erheblich höheren Auflösung, nicht ausgleichen.
Die angestrebte Miniaturisierung der Langzeitarchiverung
ist offensichtlich in der Praxis nicht erreichbar. Zudem
stehen für derartig kleine Diavorlagen keine geeigneten
Scan-Systeme am Markt zur Verfügung. Der im Test eingesetzte
ScanMate 11000 Trommelscanner ist zwar vom optischen Auflösungsvermögen
geeignet, sein Einsatz erfordert aber zwingend das auseinander
schneiden der MicroArchive Filme und ist somit für diese
Archivierungskonzept ungeeignet. Die vom Fraunhofer Institut
angekündigte Entwicklung eines geeigneten Scan-Systems
befindet sich zurzeit erst in einer frühen Projektphase.
Die angekündigte automatische und für das gesamte
Archivierungskonzept unabdingbare Scan-Technik wird frühestens
in einigen Jahren zur Verfügung stehen.
Für das savedpictures-system ist die Situation entscheidend
besser. Durch das modulare A4 Ablagesystem der sp-pages und
die geringere Belichtungsauflösung können hochwertige
Flachbettscanner, die am Markt verbreitet sind, für
die Redigitalisierung eingesetzt werden.
Es können auch Microfiche im Format A6 belichtet werden
und die vorhandenen Lesegeräte und Ablagesysteme können
benutzt werden.
Autor: Dipl. Ing. Rainer Tewes, Dezember 2006
Download des Praxistests als PDF
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